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Radverkehr
Radverkehr. Warum die Region jetzt bei den Kommunen ansetzt
Beim Radverkehr in der Region Hannover laufen zwei Entwicklungen nebeneinander her, die in unterschiedliche Richtungen zeigen. Die eine ist eine Erfolgsgeschichte, die andere ein Weckruf. Zusammen erklären sie, warum die Region ihr Handlungskonzept Radverkehr fortgeschrieben hat — und warum das Mobilnetzwerk darin eine größere Rolle spielt als bisher.
Zwischen 2017 und 2023 ist der Radverkehrsanteil in der Landeshauptstadt Hannover von 19 auf 23 Prozent gestiegen. Im Umland ist er im selben Zeitraum von 14 auf 13 Prozent gesunken. Regionsweit bleibt unter dem Strich ein Plus von 16 auf 18 Prozent — ein Zuwachs, der rechnerisch allein aus der Stadt kommt.
Das Ziel des Verkehrsentwicklungsplans 2035+ liegt bei 26 Prozent — für die Region insgesamt. Rechnet man den Abstand dorthin aus, wird sichtbar, wo die Arbeit liegt: In der Landeshauptstadt fehlen drei Prozentpunkte, regionsweit acht, im Umland dreizehn.
Das fortgeschriebene Handlungskonzept Radverkehr
Das Handlungskonzept Radverkehr der Region Hannover trägt den Titel „umsteigen: aufsteigen.“ Die Erstfassung stammt aus dem Jahr 2015 und ist 2025 ausgelaufen; die Fortschreibung ist beschlossen. Neben dem bisherigen Handlungsschwerpunkt, dem Ausbau entlang der Kreisstraßen, kommen zwei neue Schwerpunkte hinzu: der Ausbau der Velorouten als Verlängerung der Velorouten der Landeshauptstadt in die Umlandkommunen und die Unterstützung der Kommunen beim Ausbau ihrer eigenen Netze im Rahmen des Mobilnetzwerks. Denn dort, wo der Radverkehrsanteil zuletzt gesunken ist, liegt auch der größte Hebel.
Das Konzept ordnet sich in vier Handlungsfelder: Kräfte bündeln, Wege qualifizieren, Ziele aktivieren und Nutzende entfesseln. Darunter liegen elf Maßnahmen — vom 1.000-Bügel-Programm über Bike+Ride und kommunale Nahmobilitätskonzepte bis zur Fahrradoffensive und zum offensiven Radfahr-Marketing. Eine der Maßnahmen heißt schlicht „Radverkehr im Mobilnetzwerk“.
Was im Mobilnetzwerk dazugehört
Der fachliche Austausch läuft über den Runden Tisch Radverkehr — dort treffen sich die Radverkehrsverantwortlichen der Kommunen regelmäßig. Wie der Radverkehr überhaupt ins Mobilnetzwerk gekommen ist, steht in Radverkehr goes Mobilnetzwerk!.
Auf der Angebotsseite steht die Fahrradoffensive, die das Fahrrad für mehr Menschen zugänglich machen soll. Ein Baustein daraus ist seit dem 20. August 2026 die Förderrichtlinie Selbst schrauben und abstauben: Die Sparkassenstiftung Hannover stellt 10.000 Euro bereit, bis zu 1.000 Euro je Maßnahme — für Werkzeug, Verbrauchsmaterial, Reparaturkurse oder längere Öffnungszeiten in Selbsthilfewerkstätten. Antragsberechtigt sind Vereine, Verbände, Kirchengemeinden, Schulen, Kitas, soziale Fahrradwerkstätten, Kommunen und ehrenamtlich tätige Bürgerinnen und Bürger mit Sitz in der Region.
Wie viele Menschen bereit sind, aufs Rad zu steigen, zeigt das STADTRADELN jedes Jahr aufs Neue. 2026 waren in der Region Hannover 25.288 Menschen in 1.207 Teams unterwegs und haben zusammen 4,56 Millionen Kilometer zurückgelegt — mehr als im Vorjahr. Vorn liegt Wennigsen: erster Platz bei den Kilometern pro Einwohnerin und Einwohner, erster Platz beim fahrradaktiven Kommunalparlament, zweiter Platz bei den Kilometern insgesamt. Ausgezeichnet wird bei der Siegerehrung am 6. September auf dem Opernplatz, im Rahmen des Entdeckertags.
Über den Aktionszeitraum hinaus hilft die Bike-Citizens-App der Region Hannover: kostenlose Navigation im gesamten Regionsgebiet, die knapp 1.000 Kilometer Freizeitrouten zum Nachradeln — und wer seine Fahrten aufzeichnen lässt, füttert eine Heat-Map, die zeigt, welche Wege tatsächlich genutzt werden.
Die andere Seite der Zahlen
Zum ehrlichen Bild gehört die Kehrseite. Die Unfalldaten für den Radverkehr zeigen für die Region Hannover einen deutlichen Anstieg der Unfälle mit Radbeteiligung — 2025 kamen bei zehn Unfällen Radfahrende ums Leben, dem höchsten Wert der Auswertung. Der Blick in die Details lohnt sich: Unfälle mit Kfz-Beteiligung und Alleinunfälle entwickeln sich unterschiedlich, und Pedelecs verschieben das Bild ebenso wie die wachsende Gruppe der Radfahrenden über 65.
Wer wissen will, wer hinter alldem steht: Sina Wenning ist seit 2012 Radverkehrskoordinatorin der Region Hannover — die erste, die es dort je gab. Im Gespräch erzählt sie, was das fortgeschriebene Handlungskonzept für die Zusammenarbeit zwischen Region und Kommunen bedeutet und warum die unbequeme Zahl aus dem Umland für sie der eigentliche Ausgangspunkt ist.
Radwerkstattgespräche in eurer Kommune?
Ein halber Tag vor Ort: ein konkretes Beispiel anschauen, den Stand des kommunalen Radverkehrskonzepts besprechen, Hindernisse benennen und die passende Unterstützung zuordnen — ohne Mehrarbeit für die Kommune. Wir rufen der Reihe nach alle Kommunen an. Wer nicht warten will, meldet sich direkt: Sina.Wenning@region-hannover.de