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Sina Wenning auf dem Mobilnetzwerk-Stand

Mobilitätswende gemeinsam gestalten

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Menschen, Möglichkeiten und Erfahrungen vernetzen sich, damit aus guten Ideen konkrete Bewegung wird – für eine nachhaltige Mobilität in der Region Hannover.

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Im Dialog mit …

Sina Wenning – Radverkehrskoordinatorin

über das Handlungskonzept Radverkehr „umsteigen: aufsteigen.“

„Ich möchte, dass alle Menschen — gerade auch die Kinder — gut, sicher und komfortabel mit dem Rad durch die Region fahren können. Und dass das ganz einfach und selbstverständlich wird.“

Sina Wenning arbeitet im Fachbereich Verkehr der Region Hannover, im Team Verkehrsentwicklung und Verkehrsmanagement. Sie kam 2012 als erste Radverkehrskoordinatorin der Region — die Stelle gab es vorher nicht. Sie entstand aus dem Verkehrsentwicklungsplan pro Klima und wurde über die Kommunalrichtlinie gefördert. Ihr Auftrag war von Beginn an dreiteilig: ein Handlungskonzept aufstellen, neue Ansätze zur Radverkehrsförderung entwickeln, die Akteure vernetzen. Diese drei Säulen tragen ihre Arbeit bis heute. Was sich verändert hat: Die Radverkehrskoordination der Region ist heute ein Team — die Aufgaben liegen längst nicht mehr auf einer Schulter.

Der Verkehrsentwicklungsplan 2035+ gibt für die Region einen Radverkehrsanteil von 26 Prozent bis 2035 vor. Aktuell sind es 18 Prozent. Das erste Handlungskonzept Radverkehr war 2015 verabschiedet und für zehn Jahre angelegt worden, 2025 lief es aus. Die Fortschreibung trägt denselben Titel wie ihr Vorgänger: „umsteigen: aufsteigen.“ Die Zahlen dahinter und die vier Handlungsfelder haben wir im Überblick zum Radverkehr zusammengefasst.

Du bist seit 2012 bei der Region, damals als erste Radverkehrskoordinatorin überhaupt. Was war der Auftrag?

Wir hatten 2011 gerade den Verkehrsentwicklungsplan pro Klima aufgestellt, den Vorgänger des heutigen. Dabei wurde deutlich: Beim Radverkehr kann die Region noch viel bewegen, da ist Spielraum, gerade was CO2-Reduktion angeht. Also wurde die Stelle geschaffen und über die Kommunalrichtlinie gefördert. Ich sollte ein Handlungskonzept erstellen, das die verschiedenen Ansätze bündelt — nicht nur Radwege an den Kreisstraßen oder Abstellanlagen bauen, sondern das Thema integrierter betrachten. Dazu kam die Vernetzung. Der ADFC hatte damals einen Runden Tisch Radverkehr angefragt und wollte stärker in den Austausch kommen. Konzept, neue Ansätze, Vernetzung — das waren die drei Säulen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert.

Ist das ein Job für dich oder mehr?

Es ist ein Job, den ich sehr gerne mache und hinter dem ich stehe. Ich fahre selbst gerne Rad, aber ich sehe es auch im Großen: Radverkehr ist eine wichtige Stellschraube, wenn wir mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität wollen. Der Klimaschutz kommt dazu. Damit mehr Leute Rad fahren, muss es Spaß machen und komfortabel sein. So einfach ist das eigentlich.

Was steht im neuen Handlungskonzept, und warum gibt es überhaupt ein neues?

Das alte war für zehn Jahre angelegt und 2025 ausgelaufen. Wir haben außerdem einen neuen Verkehrsentwicklungsplan, auf dem das Konzept aufbauen und den es für den Radverkehr konkretisieren soll. Also haben wir uns zuerst angeschaut, was eigentlich funktioniert hat und was nicht. Daraus ist die Fortschreibung entstanden.

Sie ist in vier Handlungsfelder gegliedert. Kräfte bündeln heißt: Radverkehr stärker im Mobilnetzwerk verankern. Wege qualifizieren meint die Infrastruktur — Velorouten, das Alltagsnetz, das Freizeitwegenetz, Netzlücken, Beleuchtung, Wegweisung. Ziele aktivieren zielt darauf, dass die Orte des Alltags mit dem Rad gut erreichbar sind: Schulen, Arbeitsstätten, Einkaufslagen. Und Nutzende entfesseln heißt, mehr Menschen mit Kompetenz, Zubehör und Selbstvertrauen auszustatten.

Ihr habt das alte Konzept weitgehend umgesetzt — und trotzdem ist der Radverkehrsanteil im Umland gesunken. Wie erklärst du dir das?

Von 2017 auf 2023 ist der Anteil in der Region insgesamt von 16 auf 18 Prozent gestiegen, aber das kommt allein aus der Landeshauptstadt. Im Umland ist er von 14 auf 13 Prozent zurückgegangen. Dabei haben wir eigentlich das meiste umgesetzt, es wurde viel gemacht, wir haben mehr Mittel und mehr Leute, die sich mit dem Radverkehr befassen. Aber es hat offenbar noch nicht so gewirkt. Eins zu eins können wir das nicht erklären.

Gründe könnten sein, dass zehn Jahre für die Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen eine recht kurze Zeit sind und dass die physischen, aber auch die mentalen Hürden zum Umstieg aufs Rad im Umland höher sind als in der Landeshauptstadt. Zudem ist unsere Zuständigkeit auf ganz bestimmte Straßen begrenzt. Für Radfahrende ist das egal, bei der Umsetzung von Plänen ist es ein großes Hindernis — das erfordert sehr gute Koordination und Kooperation.

Klar ist: Wir können nicht einfach weitermachen wie bisher. Und der Hebel liegt nicht bei uns allein. Die Wege im Umland gehören überwiegend den Kommunen. Vielleicht ist es wichtiger, eine Kommune auch in die Lage zu versetzen, die kleine Radverbindung zur Schule auszubauen, als dass wir nur den Radweg an einer Kreisstraße bauen. Deshalb steht Kräfte bündeln jetzt an erster Stelle.

Was hört ihr von den Kommunen — wo klemmt es?

Die Kapazitäten sind oft knapp, viele Verwaltungen sind sehr klein, da befassen sich nur wenige Leute damit. Teilweise fehlt Geld. Und vor Ort ist es schwieriger, etwas durchzusetzen, wenn es Widerstände gibt. Auch die Kommunen stehen in ihren Projekten ja vor denselben schwierigen Situationen wie wir: Not in my backyard, bürokratische Hürden, die Vereinbarkeit mit dem Naturschutz, teilweise schwieriger Grunderwerb.

Wir haben auch überlegt, ob Wissen fehlt. Ich glaube das aber nicht. Sie sind eher ein bisschen allein. Wir haben ja den Runden Tisch Radverkehr, der die Aufstellung des Konzepts begleitet hat — aber da haben wir gemerkt, dass die Runde inzwischen zu groß ist. Es fehlt weniger Fachwissen als Austausch. Deshalb denken wir über Arbeitsgruppen nach, mit Nachbarkommunen oder mit solchen, die am selben Thema arbeiten.

Als ersten Umsetzungsschritt bietet ihr Radwerkstattgespräche an. Was passiert da konkret?

Wir kommen für einen halben Tag in die Kommune, drei bis vier Stunden. Wir schauen uns gemeinsam ein konkretes Beispiel vor Ort an, besprechen, wie weit ihr mit eurem eigenen Radverkehrskonzept seid und wo die Hürden liegen — bei der Planung, bei der Finanzierung, bei der Koordination. Dann ordnen wir zu, was von unseren Angeboten dabei hilft: Förderung, Beratung, Vernetzung. Unsere Angebote stellen wir dabei auch vor, aber das soll nicht den ganzen Raum einnehmen.

Wichtig ist uns: Das ist ein Pilotvorhaben und es soll euch keine zusätzliche Arbeit machen. Es geht darum, sich besser kennenzulernen. Von eurer Seite wären Tiefbau und Planung dabei, auf Wunsch auch die Verkehrsbehörde oder Entscheider*innen. Von uns kommen zwei Ansprechpersonen.

Radwerkstattgespräche in eurer Kommune

Wir rufen der Reihe nach alle Kommunen an. Wer nicht warten will, meldet sich direkt: Sina.Wenning@region-hannover.de

Stadtradeln läuft seit 2013 in der Region. Welche Rolle spielt die Aktion für dich?

Stadtradeln ist für uns vor allem ein Rahmen. Es bündelt Veranstaltungen und gibt uns drei Wochen im Jahr, in denen sich über Radverkehr gut sprechen lässt. Im Handlungskonzept steht es unter Offensives Radfahr-Marketing. Was mich jedes Mal freut, ist, wie viele Leute wir damit erreichen. Wenn man Geschichten aus den Teams hört, merkt man: Viele schätzen diese Challenge wirklich und steigen dadurch verstärkt aufs Rad. Wir hoffen natürlich, dass sie dabeibleiben.

2026 sind in der Region Hannover 25.288 Menschen in 1.207 Teams angetreten und haben 4,56 Millionen Kilometer gesammelt — mehr als im Vorjahr.

Selbst schrauben und abstauben geht weiter

Wer sein Rad selbst reparieren kann, ist unabhängiger — und für viele Menschen entscheidet eine Werkstattrechnung darüber, ob das Rad überhaupt fahrbereit bleibt. Genau hier setzt die Förderrichtlinie „Selbst schrauben und abstauben“ an, die zur Fahrradoffensive der Region gehört.

Die Sparkassenstiftung Hannover stellt über den Sparkassenbrief N+ 10.000 Euro bereit. Gefördert werden bis zu 1.000 Euro je Maßnahme: Werkzeug, Verbrauchsmaterial, Reparaturkurse oder längere Öffnungszeiten in der Selbsthilfewerkstatt. Antragsberechtigt sind Vereine, Verbände, Kirchengemeinden, Schulen, Kitas, Fahrradwerkstätten in sozialer Trägerschaft, Kommunen und ehrenamtlich tätige Bürger*innen mit Sitz in der Region.

Anträge sind seit dem 20. August 2026 möglich. Wie das Verfahren läuft, was gefördert wird und wo es die Unterlagen gibt, steht auf der Seite zum Förderprogramm.

Wo willst du hin? Wenn alles läuft, wie es laufen soll — was hast du dann erreicht?

Dass die verschiedensten Menschen, gerade auch die Kinder, gut und sicher und komfortabel mit dem Rad durch die Region fahren können. Und dass das selbstverständlich wird, dass es einfach alle tun. Dann hätten wir viel gewonnen: weniger Lärm, weil weniger Auto gefahren wird, und Menschen, die sicherer vorankommen. Gerade mit Blick auf die Unfallzahlen ist das noch mal ein eigenes Thema.

Sina Wenning tritt für mehr Lebensqualität in der Region durch Radverkehr an.

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