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Eine Frau markiert mit einem Stift eine Stelle auf einer großen Quartierskarte.

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Die Zukunftswerkstatt – Beteiligung mitten im Quartier

Ein Format für Beteiligung vor Ort

Beteiligung scheitert selten am Interesse und oft am Format. Ein Abendtermin im Ratssaal erreicht die, die ohnehin kommen. Wer in der Straße wohnt, um die es geht, kommt vorbei, wenn das Verfahren dorthin kommt — und wenn es nicht nach Verwaltung aussieht.

Die Zukunftswerkstatt verlegt das Verfahren deshalb in die Straße: ein leerstehendes Ladenlokal oder ein Gemeinschaftsraum, mehrere Tage am Stück geöffnet, ohne Anmeldung, ohne Eintritt, mit Öffnungszeiten, die einen Besuch auf dem Rückweg vom Einkauf zulassen. Erprobt hat das Mobilnetzwerk das Format gemeinsam mit der Stadt Wunstorf im BarneLAB.

Vier Bausteine

Eine Zukunftswerkstatt ist keine Ausstellung, sondern eine Werkstatt. Wer hereinkommt, soll etwas tun können. Bewährt haben sich vier Bausteine.

Themeninseln

Zwei bis drei moderierte Stationen zu den zentralen Fragen. Im BarneLAB waren das die eigenen Wege durch das Viertel und die Frage, wie die Straße in gut zehn Jahren aussehen könnte. Die Moderation ist kein Luxus: Sie hält das Gespräch bei der Sache und protokolliert mit — sonst geht am Ende genau das verloren, wofür die Leute gekommen sind.

Visualisierungen zum Widersprechen

Drei exemplarische Zukunftsszenarien hängen aus, daneben jeweils drei Fragen: Das gefällt mir. Das fehlt mir noch. Das sollte man bedenken. Entscheidend ist, dass es erkennbar Entwürfe sind und keine Beschlüsse — und dass man ihnen widersprechen darf. Erst dann kommen die Hinweise, die weiterhelfen.

Mitmachstationen

Ein Kartenspiel zum Perspektivwechsel, eine große Karte des Viertels, auf der Alltagswege markiert werden, und ein Baukasten aus Gehwegen, Baumscheiben, Parkstreifen und Fahrbahnvarianten, mit dem sich jede und jeder den eigenen Straßenquerschnitt zusammenlegen kann.

Ein Abend zum Diskutieren

Zusätzlich zur offenen Werkstatt ein moderierter Abend mit Thementischen. Er erreicht ein anderes Publikum als die Öffnungszeiten und bringt die Diskussion auf ein anderes Niveau — im BarneLAB entstanden dort die ersten konkreten Straßenentwürfe.

Arbeitsstationen statt Ausstellung: Feedbackkarten, Quartierskarte, Straßenquerschnitt. Fotos: Moritz Peters

Der Baukasten ist der Kern

Wenn ein Baustein dieses Format trägt, dann der Straßenquerschnitt zum Selberbauen. Er übersetzt eine abstrakte Debatte in eine Aufgabe mit fester Breite: Die Straße ist so breit, wie sie ist. Wer breitere Gehwege möchte, muss sagen, wo sie herkommen.

Im BarneLAB war das der Wendepunkt. Aus „mehr Platz für alle“ wurde eine Abwägung — und aus der Abwägung eine belastbare Aussage darüber, was den Menschen wichtiger ist. Am Ende standen nicht drei Meinungen, sondern drei tragfähige Varianten.

Was das Format leistet

Es räumt Gerüchte aus

Die Sorge, es solle den Menschen das Auto weggenommen werden und die Lösung liege längst in der Schublade, lässt sich in einem Gespräch am Modell klären — nicht in einer Pressemitteilung. Im BarneLAB war das der erste und wichtigste Effekt der drei Tage.

Es macht Prioritäten sichtbar

Wer eine begrenzte Fläche aufteilen muss, zeigt in der Aufteilung, was ihm wichtig ist. Das ist für die weitere Planung belastbarer als eine Zustimmung oder Ablehnung zu einer fertigen Variante.

Es erreicht andere Menschen

Kinder eines Hortes bringen gezeichnete Ideen mit. Ältere Menschen kommen mittags, Berufstätige abends. Ein einzelner Termin erreicht keine dieser Gruppen vollständig.

Kinderhände basteln mit farbigem Papier, Schere und Holzbausteinen an einer Mitmachstation.

Was es braucht

Die Voraussetzungen im Überblick

  • ein Raum an der Straße, um die es geht, für drei bis vier Tage
  • Öffnungszeiten über mehrere Tageszeiten verteilt
  • Moderation an jedem geöffneten Tag
  • Material, das aushält, dass daran gearbeitet wird: großformatige Karten, ein physischer Baukasten, Zettel und Stifte in Reichweite
  • eine Zusage, die vorher gilt: Die Ergebnisse werden protokolliert, veröffentlicht und in das weitere Verfahren eingebracht

Der letzte Punkt ist der wichtigste. Ohne diese Zusage ist eine Werkstatt Dekoration — und das merken die Leute schneller, als man denkt.

Nachbereitung

Am letzten Tag werden die Rückmeldungen vor Ort an Stellwänden sortiert und fotografisch dokumentiert, solange alle Beteiligten noch da sind und wissen, was gemeint war. Aus dem Material entsteht ein Werkstattprotokoll: alle schriftlichen Beiträge, nach Themen geordnet, mit Fazit und Ausblick auf die nächsten Schritte.

Dieses Protokoll ist das eigentliche Ergebnis. Es ist der Beleg dafür, dass zugehört wurde, und die Arbeitsgrundlage für die Planung.

Das Format in der Praxis

Erprobt wurde diese Werkstattform im Juni 2024 in Wunstorf. Ablauf, Ergebnisse und die drei erarbeiteten Umgestaltungsvarianten stehen auf der Projektseite BarneLAB – die Zukunftswerkstatt in Wunstorf.

Begleitet wurde die Werkstatt von einer künstlerischen Kampagne, die die Diskussion Wochen vorher eröffnet hat. Was so eine Intervention leistet, steht in Mehr Mut zur künstlerischen Intervention; die Installationen selbst zeigt die Aktionsseite Die Vorboten der Mobilitätswende.

Eine Frau steht im Profil vor einer Wand mit Plänen und Diagrammen.

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