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Kinderhände basteln mit farbigem Papier, Schere und Holzbausteinen an einer Mitmachstation.

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BarneLAB – die Zukunftswerkstatt in Wunstorf

Beteiligungswerkstatt zur südlichen Barnestraße, Juni 2024

Die südliche Barnestraße in Wunstorf ist eine dieser Straßen, die alle kennen und die niemand mag. Sie ist laut, sie ist eng, sie ist zugeparkt. Die Fußwege sind schmal und in schlechtem Zustand, Radwege gibt es nicht, und Schulkinder queren sie täglich zwischen abgestellten Autos hindurch.

Dass sich das ändern muss, stand fest — im Radverkehrskonzept der Stadt Wunstorf ebenso wie im Qualitätssiegel „lebenswertes Quartier“, das der Wunstorfer Bauverein angestoßen hatte. Offen war, wie. Diese Frage haben die Stadt Wunstorf und das Mobilnetzwerk im Juni 2024 nicht im Rathaus beantwortet, sondern in der Straße selbst.

Die südliche Barnestraße vor der Werkstatt: parkende Autos auf beiden Seiten, schmale Gehwege, kein Platz fürs Rad.

Das Barneviertel war damals ohnehin in Bewegung: Der Umbau des Barneplatzes stand kurz vor dem Abschluss, eine neue Sporthalle entstand, der Schulstandort Barnestraße wurde neu geordnet, der Umbau des Schwimmbades war geplant. Der Wunstorfer Bauverein stellte ein E-Lastenrad zur kostenlosen Ausleihe bereit, und die Ergebnisse des Fußverkehrschecks lagen vor. Es gab also viele Einzelvorhaben — und keinen Ort, an dem sie zusammenkamen.

Luftbild des Barneviertels in Wunstorf mit Markierungen für Barneplatz, Sportstätte und Schulstandort.

Vier Herausforderungen

Unsichere Schulwege

Das Radverkehrskonzept der Stadt Wunstorf und ein von Schüler*innen erarbeitetes Mobilitätskonzept der Integrierten Gesamtschule kamen zum selben Ergebnis: Viele Schüler*innen empfinden die Schulwege in der Barnestraße als unsicher und wünschen sich mehr Sichtbarkeit. Die bauliche Neuordnung des gesamten Schulstandortes bot die Gelegenheit, das gemeinsam mit den Schulgemeinschaften und den Sportvereinen zu lösen.

Schmale Fußwege

Die Fußwege sind vielerorts schmal und in schlechtem Zustand. Schlecht einsehbare Querungen schränken Bewegungsraum und Sichtbarkeit ein, dazu kommen Stolperfallen wie lose Gehwegplatten. Für alle zu Fuß Gehenden ist das beschwerlich.

Kein Platz fürs Rad

Die Barnestraße ist im Radverkehrskonzept der Stadt Wunstorf als Hauptroute vorgesehen. Tatsächlich bietet sie dem Rad bislang wenig Raum. Es fehlt an Sicherheit und an Sichtbarkeit — auf dem Weg zur Schule ebenso wie zur Arbeit oder zum Einkaufen.

Ausgelastete Parkplätze

Die Parkplätze sind stark ausgelastet. Autos werden teilweise so abgestellt, dass sie den Verkehr behindern und viel Fläche im Stadtraum binden. Gesucht waren Lösungen, die Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität zugleich verbessern.

Mit diesen Fragen ging die Werkstatt in die Straße

  • Wie kann eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr erreicht werden?
  • Wie kann mehr Sicherheit entstehen, insbesondere für Schulwege?
  • Wie kann das Radverkehrskonzept bestmöglich umgesetzt werden?
  • Wie soll mit dem zunehmenden Verkehr umgegangen werden?
  • Wie kann ein zukunftsfähiges Parkraummanagement gestaltet werden?
  • Wie kann Mobilität im Alter sicher gestellt werden?
  • Wie kann die Aufenthaltsqualität in der Barnestraße steigen?

Drei Tage BarneLAB

Vom 10. bis 12. Juni 2024 war das BarneLAB in den Räumen des Wunstorfer Bauvereins in der Rembrandtstraße geöffnet — ohne Anmeldung, ohne Eintritt, an drei Tagen.

Wer hereinkam, fand keine Ausstellung vor, sondern Arbeitsstationen. An den Themeninseln ging es um die eigenen Wege durch das Barneviertel und um die Frage, wie die Barnestraße im Jahr 2035 aussehen könnte. Drei Visualisierungen möglicher Zukünfte hingen zur Diskussion aus, geordnet nach drei Fragen: Das gefällt mir. Das fehlt mir noch. Das sollte man bedenken.

An den Mitmachstationen wechselten Besucher*innen per Kartenspiel die Perspektive, markierten ihre Alltagswege auf einer großen Karte des Viertels und legten sich mit einem Baukasten aus Gehwegen, Baumscheiben, Parkstreifen und Fahrbahnvarianten ihre eigene Barnestraße zusammen.

Dazu kamen zwei Abende: eine Diskussionsveranstaltung in der Remise unter dem Titel „Wie bewegen wir uns durch Wunstorf im Jahr 2035?“ und die Präsentation der Zwischenergebnisse in der Tribüne Wunstorf.

Drei Tage BarneLAB in den Räumen des Wunstorfer Bauvereins. Fotos: Moritz Peters

Was dabei herauskam

Das BarneLAB in Zahlen

  • rund 40 Besucher*innen im offenen BarneLAB
  • knapp 20 Teilnehmende an der Diskussionsveranstaltung
  • 271 Post-its mit konkreten Hinweisen
  • 3 Grundideen für die Umgestaltung

Das BarneLAB hat zuerst ein Gerücht ausgeräumt. Es ging nie darum, den Menschen das Auto wegzunehmen, und es lag auch keine fertige Lösung in der Schublade. Es ging um den öffentlichen Straßenraum — die Parkplätze des Bauvereins blieben von Anfang an außen vor — und um die Frage, wie sich der Durchgangsverkehr verringern lässt.

Gleichzeitig wurde etwas anderes greifbar, und zwar für alle im Raum: Der Platz ist endlich. Wer breitere Gehwege will, muss sagen, wo sie herkommen. Diese Erkenntnis am exemplarischen Straßenquerschnitt war der Wendepunkt der drei Tage — aus Meinungen wurden Abwägungen, und aus den Abwägungen drei tragfähige Varianten.

Variante 1: die Barnestraße als Einbahnstraße

  • Breite, barrierefreie Fußwege von mindestens 2,10 Metern mit sicheren Querungen
  • Busverkehr als Ring über das Schwimmbad Richtung Kohlenfelder Straße oder über Paul-Moor-Weg und Düendorfer Weg
  • Radverkehr in Gegenrichtung frei
  • Ein Streifen für Kurzzeitparkplätze, Bäume, Haltemöglichkeiten für Liefer- und Pflegedienste sowie Abstellplätze für Räder, Lastenräder und Rollatoren

Variante 2: die Barnestraße als Fahrradstraße

  • Fußwege von mindestens 2,10 Metern mit sicheren Querungen
  • Busverkehr möglich, als Einbahnverkehr
  • Ein Multifunktionsstreifen mit Kurzzeitparkplätzen, Bäumen, Hochbeeten und Haltemöglichkeiten für Liefer- und Pflegedienste
  • Eine gestaltete Hol- und Bringzone an der Schule

Variante 3: die Barnestraße verkehrsberuhigt

  • Geschwindigkeit auf 20 oder 30 km/h reduziert
  • Fahrbahn auf 4,75 bis 5,50 Meter verschmälert, Fußwege zwischen 2,10 und 2,50 Metern
  • Radverkehr auf der Fahrbahn geführt
  • Busverkehr möglich, im Zweifel in eine Richtung
  • Ebenfalls ein Multifunktionsstreifen

So unterschiedlich die drei Ideen sind — in vier Punkten liefen sie zusammen. Es braucht breite und sichere Gehwege. Es braucht eine klare Aufteilung des Straßenraums. Es braucht eine Verkehrsführung, die Belastung und Durchgangsverkehr senkt. Und es braucht begleitende Lösungen für die Schulverkehre und für die Besucher*innen von Sportflächen und Schwimmbad.

Über alle Stationen hinweg wiederholten sich dieselben Themen: Parken und Parkraummanagement, die Zuverlässigkeit des ÖPNV, Carsharing als Alternative, mehr Grün und mehr Sitzgelegenheiten — und immer wieder die Schulverkehre und die Elterntaxis.

Kinderhände basteln mit farbigem Papier, Schere und Holzbausteinen an einer Mitmachstation.

An einem Nachmittag kamen die Kinder des St.-Johannes-Hortes vorbei. Sie hatten ihre Ideen vorher aufgemalt und arbeiteten dann an den Stationen mit. Ihre Themen: der Barneplatz — und Verkehrssicherheit.

Die Ergebnisse zum Nachlesen

Alle schriftlichen Beiträge aus der Werkstatt und der Abendveranstaltung sind im Werkstattprotokoll dokumentiert, geordnet nach Themen, mit Fazit und Ausblick. Die begleitende Umfrage zur Mobilität in der Barne und Umgebung ist separat ausgewertet.

Wie es weiterging

Nach dem BarneLAB hat die Stadt Wunstorf die erarbeiteten Varianten geprüft, ebenso ihre Auswirkungen auf die Verkehrsführung, fachlich begleitet durch ein Planungsbüro. Parallel wurde geprüft, welche Begleitprojekte sinnvoll sind: gemeinschaftliche Mobilitätsangebote wie Carsharing und Lastenrad-Sharing sowie ein Mobilitätsmanagement für Schulen und Sportstätten. Die Vorschläge aus dem BarneLAB gingen anschließend in den Ortsrat. Politik und Verwaltung sind nun gefragt, die Ergebnisse des BarneLAB umzusetzen.

Die Vorboten der Mobilitätswende

Begleitet wurde das BarneLAB von einer künstlerischen Kampagne. Drei umgebaute Altautos standen wochenlang in der Barnestraße und haben die Diskussion angestoßen, bevor die Werkstatt überhaupt öffnete: Carsten grub sich ein, Carlotta blühte auf, Carina und Carlo nahmen sich huckepack. Die drei Installationen, ihre Monologe und der Aufbau auf dem Baubetriebshof stehen auf der Aktionsseite Die Vorboten der Mobilitätswende.

Zwei rote Kleinwagen übereinandergestapelt als Doppeldecker.

Das Format zum Nachmachen

Wie eine Zukunftswerkstatt vor Ort aufgebaut ist, welche vier Bausteine sich bewährt haben und was es dafür braucht, haben wir aus dem BarneLAB heraus als eigenen Beitrag festgehalten: Die Zukunftswerkstatt – Beteiligung mitten im Quartier. Was eine künstlerische Intervention im Straßenraum leistet und was vorher zu klären ist, steht in Mehr Mut zur künstlerischen Intervention.

Eine Hand steckt eine Markierungsnadel in eine großformatige Karte des Quartiers.

Presseschau

So wurde über das BarneLAB und die Vorboten berichtet

  • 15.06.2024 · Wunstorfer Stadtanzeiger · Mobilität in der Zukunft
  • 15.06.2024 · HAZ · Barne-Lab beendet: Das sind die Ideen für die neue Barnestraße
  • 12.06.2024 · HAZ · Barne-Lab: Anwohner wollen weniger Autos in der Barne
  • 10.06.2024 · Auepost · „Was habt ihr denn da angestellt?“ — Wunstorfs erster Fahrrad-Rastplatz ist da
  • 07.06.2024 · HAZ · Verkehrsberuhigung: Neue Barnestraße soll im Labor entstehen
  • 28.05.2024 · HAZ · Geteilte Meinungen zur Auto-Kunst an der Barne
  • 27.05.2024 · HAZ · Die Barnestraße ohne parkende Autos?
  • 19.05.2024 · Auepost · Big Picture Wunstorf: Verkehrswende in Wunstorf abgesagt — Autos haben sich fortgepflanzt
  • 18.05.2024 · HAZ · Installationen zum Thema Mobilität
  • 17.05.2024 · HAZ · Ist das Kunst oder einfach nur Schrott? Das bedeuten die Autoinstallationen in Wunstorf
  • 15.05.2024 · Auepost · „Ist da ein Unfall passiert?“ — die Vorboten der Wunstorfer Mobilitätswende sind da
  • 12.05.2024 · Wunstorfer Stadtanzeiger · Vorboten eines Konflikts?
  • 27.04.2024 · HAZ · Kunst in Wunstorfs Zentrum: Auto-Installationen sollen „Vorboten der Mobilitätswende“ sein
  • 08.02.2024 · HAZ · Innovatives Verkehrsprojekt in Wunstorf

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