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Beteiligungsprozess in Letter zum Thema Zukunftsstrasse

Mobilitätswende gemeinsam gestalten

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Menschen, Möglichkeiten und Erfahrungen vernetzen sich, damit aus guten Ideen konkrete Bewegung wird – für eine nachhaltige Mobilität in der Region Hannover.

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Mobilitätsprojekte erfolgreich umsetzen: Learnings aus Seelze

Was andere Kommunen aus dem Projekt an der Brüder-Grimm-Schule lernen können

Wie Beteiligung, klare Rollen und konkrete Maßnahmen Mobilitätswende vor Ort möglich machen

Die Mobilitätswende entsteht selten durch große Masterpläne allein. Sie entsteht dort, wo Menschen konkrete Probleme im Alltag gemeinsam lösen: vor Schulen, an Kreuzungen, auf Schulwegen und in Wohnquartieren.

Das Leuchtturmprojekt „Zukunftsstraße“ an der Brüder-Grimm-Schule in Seelze-Letter zeigt, wie Kommunen gemeinsam mit Schulen, Verwaltung, Politik und Bürgerschaft Veränderung wirksam gestalten können. Dabei ging es nicht nur um Verkehr – sondern um Sicherheit, Aufenthaltsqualität, Beteiligung und die Frage, wie öffentlicher Raum gemeinsam neu gedacht werden kann.

Die Erfahrungen aus Letter liefern wertvolle Erkenntnisse für andere Kommunen, die eigene Projekte zur Mobilitätswende umsetzen möchten. Viele Herausforderungen sind übertragbar: unterschiedliche Interessen, politische Abstimmung, Beteiligung, Kommunikation und die Frage, wie Maßnahmen tatsächlich wirksam werden.

Dieser Beitrag bündelt zentrale Learnings aus dem Prozess und zeigt, worauf Kommunen bei ähnlichen Vorhaben achten können.

Der richtige Einstieg entscheidet über den Erfolg

Viele Prozesse rund um Schulmobilität oder Verkehrsberuhigung starten mit abstrakten Begriffen wie „Klimaschutz“, „Nachhaltigkeit“ oder „Mobilitätswende“. In Letter zeigte sich jedoch schnell: Menschen reagieren vor allem auf konkrete Situationen aus ihrem Alltag. Das emotional stärkste Thema war nicht die Verkehrswende – sondern Sicherheit. Eltern, Kinder und Anwohnende verband vor allem eine gemeinsame Frage:

„Wie kommen Kinder sicher zur Schule?“

Von diesem konkreten Anliegen aus konnten weitere Themen geöffnet werden: Aufenthaltsqualität, Fahrradverkehr, Verkehrsberuhigung oder die Gestaltung des öffentlichen Raums. Kommunen können daraus lernen: Je konkreter und lebensnäher der Einstieg, desto größer die Beteiligung und Akzeptanz.

Beteiligungsprozess in Letter zum Thema Zukunftsstrasse

Praxis-Tipp: Nicht mit Ideologien starten

Abstrakte Ziele mobilisieren selten breite Beteiligung. Konkrete Alltagssituationen dagegen schon. Gute Einstiegsfragen sind zum Beispiel:

  • Wo fühlen sich Kinder unsicher?
  • Welche Situationen stressen Eltern täglich?
  • Welche Wege meiden Menschen mit dem Fahrrad?
  • Wo fehlt Aufenthaltsqualität im Alltag?

Rollen frühzeitig klären

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus Seelze: Unklare Rollen erzeugen Unsicherheit – besonders bei Schulen. Schulen verfügen oft nicht über die personellen Ressourcen, um komplexe Beteiligungsprozesse zusätzlich zu organisieren. Gleichzeitig sind sie zentrale Partner im Prozess. Diese klare Aufgabenverteilung entlastet alle Beteiligten und schafft Orientierung.

Wer übernimmt welche Rolle?

Schule

  • Zugang zur Schulgemeinschaft
  • Unterstützung bei Kommunikation
  • Beteiligung von Lehrkräften und Schüler*innen

Verwaltung

  • Gesamtkoordination
  • Stakeholdermanagement
  • Vorbereitung politischer Entscheidungen
  • Organisation von Veranstaltungen

Externe Moderation / Fachplanung

  • Gestaltung der Beteiligungsformate
  • Dokumentation
  • Strukturierung von Ergebnissen
  • Moderation von Konflikten

Politik

  • Frühzeitige Mitwirkung
  • Rückkopplung politischer Perspektiven
  • Legitimation und Beschlussfassung

Unterschiedliche Zielgruppen brauchen unterschiedliche Formate

Ein einzelner Workshop erreicht nie alle Menschen gleichermaßen. Deshalb arbeitete das Projekt in Letter mit verschiedenen Beteiligungsformaten, die jeweils unterschiedliche Zielgruppen angesprochen haben. Analoge Beteiligung im öffentlichen Raum erreichte Menschen, die sonst nicht an Veranstaltungen teilnehmen würden. Digitale Umfragen ermöglichten Beteiligung unabhängig von Zeit und Ort. Schulinterne Formate aktivierten Kinder und Jugendliche direkt im Alltag.

Beteiligung funktioniert dann gut, wenn Menschen dort abgeholt werden, wo sie bereits sind.

Beteiligungsformate aus der Zukunftsstraße Seelze

Niedrigschwellige Beteiligung

  • Dialogwand im öffentlichen Raum
  • Schwarzes Brett / analoge Beteiligung
  • QR-Codes und Kurz-URLs

Flexible Beteiligung

  • Kartenbasierte Schulweg-Umfragen
  • Öffentliche Online-Umfragen
  • Mitarbeitendenbefragungen

Aktive Beteiligung

  • Zukunftswoche an der Schule
  • Walking Bus
  • Vor-Ort-Checks
  • Kreidemalaktionen
  • Exkursionen und Workshops

Strategische Beteiligung

  • Zukunftswerkstatt
  • Begleitgremium mit Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft

Politik nicht erst am Ende einbinden

Viele Projekte geraten unter Druck, wenn politische Akteur*innen erst kurz vor Beschlüssen informiert werden. In Seelze wurde die Politik deshalb frühzeitig in den Prozess eingebunden. Das schuf Transparenz, Austausch und Vertrauen.

Politische Beteiligung wurde dabei nicht als Hindernis verstanden, sondern als Teil des Prozesses. Denn politische Entscheidungsträger*innen möchten mitgestalten – und genau darin liegt auch eine große Chance für die Akzeptanz von Maßnahmen.

Warum frühe politische Beteiligung wichtig ist

  • Entscheidungen werden nachvollziehbar
  • Konflikte entstehen früher und können bearbeitet werden
  • Politische Akzeptanz wächst über den Prozess
  • Maßnahmen werden nicht „überraschend präsentiert“
  • Beschlüsse werden einfacher vorbereitbar

Gerade bei umstrittenen Maßnahmen entsteht so Rückhalt für mutige Entscheidungen.

Ein zentrales Learning aus der Geschichte des Projekts: Schilder allein reichen nicht.

  • Mehrere Jahre der Diskussionen und Experimente vor Projektbeginn der Zukunftsstraße zeigten, dass es nicht ausreicht, lediglich über Beschilderungen und Appelle eine Veränderung des Verkehrsverhalten herbeizuführen.
  • Der versenkbare Poller als Lösung: Er macht die Sperrung physisch wirksam – auch ohne permanente Kontrolle. Die Umsetzung dieser baulichen Maßnahme wurde dabei durch eine starke Zustimmung im Rahmen der Beteiligung untermauert.
  • Für andere Kommunen: Frühzeitig prüfen, welche Maßnahmen auch ohne aktive Kontrolle durchgesetzt werden können.

Beteiligung schafft Verbindlichkeit

Beteiligung erzeugt mehr als nur Ideen. Sie erzeugt Verantwortung. Wenn Eltern, Kinder, Verwaltung, Politik und Anwohnende gemeinsam an Visionen und Maßnahmen arbeiten, entsteht eine Form öffentlicher Verpflichtung, die weit über einen einzelnen Ratsbeschluss hinausgeht. Die Beteiligung in Letter schuf dadurch Rückhalt – auch für Maßnahmen, die zuvor kontrovers diskutiert wurden. Dokumentation, öffentliche Kommunikation und sichtbare Ergebnisse spielten dabei eine zentrale Rolle.

Beteiligung ist auch Verwaltungsunterstützung

  • Verwaltung erhält Rückhalt
  • Entscheidungen werden nachvollziehbarer
  • Fachbereiche arbeiten koordinierter
  • Politische Kommunikation wird einfacher
  • Mutige Maßnahmen werden absicherbarer

Beteiligungsprozesse schaffen nicht nur Akzeptanz nach außen. Sie helfen auch intern.

Zwei Personen sitzen an einem Tisch in einem Arbeitsraum. Im Vordergrund gestikuliert eine Person mit den Händen, vor ihr liegen ein Notizbuch und ein Smartphone, daneben ein geöffneter Laptop mit einer Präsentationsansicht.

Kommunikation muss dauerhaft sichtbar bleiben

Ein Beteiligungsprozess endet nicht mit einer Veranstaltung.
Menschen möchten wissen:

  • Was passiert gerade?
  • Welche Ergebnisse gibt es?
  • Wie geht es weiter?
  • Welche Entscheidungen wurden getroffen?

In Seelze wurde deshalb kontinuierlich kommuniziert – über Webseite, Veranstaltungen, Umfragen, Schulkommunikation und Pressearbeit. Eine dauerhaft erreichbare Informationsstruktur hilft dabei, Transparenz und Vertrauen im Prozess zu sichern.

Kommunikations-Bausteine für Kommunen

  • Eigene Projektseite auf der kommunalen Webseite
  • Kurz-URL und QR-Code
  • Regelmäßige Updates
  • Dokumentation von Ergebnissen
  • Presse- und Social-Media-Arbeit
  • Nutzung bestehender Verteiler (z. B. Schule)
  • Transparente Darstellung von Entscheidungen

Nicht alles ist übertragbar – und genau das ist wichtig

Die Zukunftsstraße Seelze liefert wertvolle Erfahrungen, aber keine universelle Blaupause. Jede Kommune, jede Schule und jedes Quartier bringt eigene Voraussetzungen, Konflikte und Dynamiken mit. Deshalb bleibt eine zentrale Erkenntnis: Standardisierung hilft bei Prozessen – aber gute Lösungen entstehen immer vor Ort. Fragen wie diese müssen Kommunen individuell beantworten:

  • Wie viel Beteiligung ist sinnvoll?
  • Welche Vorgeschichte gibt es vor Ort?
  • Welche Gruppen müssen besonders aktiviert werden?
  • Wie bleibt Engagement langfristig bestehen?
  • Wie werden Maßnahmen nach der Umsetzung evaluiert?

Gerade darin liegt die eigentliche Stärke solcher Prozesse: Sie schaffen keine fertigen Antworten, sondern ermöglichen gemeinsames Lernen und lokale Entwicklung.

Mobilitätswende beginnt im Alltag

Die Zukunftsstraße in Seelze-Letter zeigt, dass Mobilitätswende nicht abstrakt sein muss. Sie beginnt dort, wo Menschen ihren Alltag erleben: auf dem Schulweg, vor der eigenen Haustür oder an Orten, an denen Sicherheit, Begegnung und Lebensqualität konkret spürbar werden. Wenn Kommunen Beteiligung ernst nehmen, Rollen klar definieren und Maßnahmen konsequent umsetzen, können aus lokalen Projekten starke Impulse für nachhaltige Mobilität entstehen.

Mobilitätswende gemeinsam gestalten.

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