Fokus auf …
Sichere Wege für den Alltag
Die Nahmobilitäts-Checks zeigen, wie aus Alltagserfahrungen, Beteiligung und Planung konkrete Verbesserungen für sichere und lebenswerte Wege entstehen.
Wie entstehen Wege, die sicher, zugänglich und alltagstauglich sind?
Die Nahmobilitäts-Checks des Mobilnetzwerks zeigen, warum es dafür einen integrierten Blick auf Fußverkehr, Radverkehr, Haltestellen und Schulwege braucht – und weshalb die Erfahrungen der Menschen vor Ort ein wichtiger Teil der Planung sind.
Nahmobilität beginnt direkt vor der Haustür. Auf dem Weg zur Schule, zum Einkaufen, zur nächsten Haltestelle oder zu einem Termin entscheidet sich, wie selbstständig und sicher Menschen ihren Alltag bewältigen können.
Dabei werden Wege selten nur zu Fuß, ausschließlich mit dem Fahrrad oder allein mit Bus und Bahn zurückgelegt. Oft greifen verschiedene Mobilitätsformen ineinander. Ein sicherer Fußweg kann die Voraussetzung dafür sein, eine Haltestelle zu erreichen. Eine gute Radverbindung kann den Weg zur Schule oder zum Bahnhof erleichtern. Fehlende Querungen, schmale Gehwege oder Barrieren können dagegen ganze Wegeketten unterbrechen.
Genau an diesen Zusammenhängen setzen die Nahmobilitäts-Checks des Mobilnetzwerks der Region Hannover an.
Mehr als die Betrachtung einzelner Verkehrsarten
In den Jahren 2023 und 2024 wurden in der Region Hannover insgesamt elf Fußverkehrs-Checks durchgeführt. Die Erfahrungen daraus bilden die Grundlage für das weiterentwickelte Format der Nahmobilitäts-Checks.
Der Blick richtet sich nun nicht mehr allein auf den Fußverkehr. Auch der Radverkehr und die Erreichbarkeit von Haltestellen werden systematisch einbezogen. So können Wege als zusammenhängendes Netz betrachtet werden – und nicht nur aus der Perspektive einer einzelnen Verkehrsart.
Aktuell werden Nahmobilitäts-Checks in Hämelerwald, Barsinghausen, Wettmar, Hemmingen und Rethen durchgeführt.
Planung beginnt mit dem Blick auf den Alltag
Zu Beginn eines Nahmobilitäts-Checks legen die jeweilige Kommune, das beauftragte Planungsbüro und das Mobilnetzwerk gemeinsam das Untersuchungsgebiet fest. Vorhandene Infrastruktur, aktuelle Planungen und bekannte Herausforderungen werden zusammengetragen und erste Routen für die weitere Untersuchung entwickelt.
Diese fachliche Bestandsaufnahme ist jedoch nur ein Teil des Prozesses. Ebenso wichtig ist das Wissen der Menschen, die die Wege täglich nutzen.
Sie erleben unmittelbar, an welchen Stellen Orientierung fehlt, Wege unsicher wirken, Barrieren den Zugang erschweren oder Verbindungen nicht funktionieren. Diese Alltagsperspektive wird gezielt in die Planung einbezogen.
Gemeinsam gehen, beobachten und diskutieren
Ein zentrales Element jedes Nahmobilitäts-Checks ist der Planungsspaziergang. Dabei erkunden Einwohner*innen, Fachleute, Verwaltung und weitere Beteiligte das Untersuchungsgebiet gemeinsam.
Vor Ort wird sichtbar, was auf Plänen oder in Daten allein oft nicht erkennbar ist: Wo fehlt eine sichere Querungsmöglichkeit? Welche Wege sind für Menschen mit Rollator, Rollstuhl oder Kinderwagen schwer nutzbar? Wie übersichtlich ist eine Verkehrssituation aus der Perspektive eines Kindes? Und wie gut sind Haltestellen tatsächlich erreichbar?
Die Hinweise und Beobachtungen aus dem Planungsspaziergang werden gesammelt, ausgewertet und anschließend in einer Ideenwerkstatt weiterbearbeitet. Dort werden mögliche Lösungen diskutiert und erste Maßnahmen konkretisiert.
Beteiligung wird damit nicht als nachträgliche Rückmeldung verstanden, sondern als fester Bestandteil der Planung.
Von der Beobachtung zum Nahmobilitätskonzept
Auf Grundlage der Analyse und der Beteiligungsformate entwickelt das Planungsbüro Maßnahmenempfehlungen für das jeweilige Untersuchungsgebiet.
Diese können ganz unterschiedliche Bereiche betreffen: sichere Querungen, barrierefreie Gehwege, bessere Radverbindungen, Veränderungen im Schulumfeld oder eine verbesserte Anbindung an Bus und Bahn.
Die Ergebnisse werden anschließend in einem Bericht zum Nahmobilitäts-Check gebündelt und in einem politischen Gremium der Kommune vorgestellt. So entsteht eine fachliche und gemeinsam erarbeitete Grundlage für ein kommunales Nahmobilitätskonzept.
Für ausgewählte Schlüsselmaßnahmen werden bereits erste Vorplanungen erstellt. Dadurch soll der Schritt vom Konzept zur tatsächlichen Umsetzung erleichtert werden.
Umsetzung braucht Anschlussfähigkeit
Ein Konzept entfaltet erst dann Wirkung, wenn aus Empfehlungen konkrete Veränderungen entstehen. Deshalb unterstützt das Mobilnetzwerk die Kommunen auch über den eigentlichen Check hinaus.
Dazu gehören die Beratung zu geeigneten Fördermitteln, die Begleitung bei der weiteren Konkretisierung und eine eigene Förderrichtlinie, über die Maßnahmen aus den Nahmobilitätskonzepten unterstützt werden können.
Nahmobilität als gemeinsame Aufgabe
Für Hämelerwald und Barsinghausen wurden die Ergebnisse der Nahmobilitäts-Checks bereits vorgestellt. In Rethen, Wettmar und Hemmingen laufen die Beteiligungs- und Untersuchungsphasen noch.
Das große Interesse an den Planungsspaziergängen und Ideenwerkstätten macht deutlich: Die Qualität von Wegen ist keine abstrakte Planungsfrage. Sie betrifft den Alltag der Menschen unmittelbar.
Nahmobilität zu stärken bedeutet deshalb, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen: das Fachwissen aus Planung und Verwaltung, die Erfahrungen der Menschen vor Ort und die Handlungsmöglichkeiten von Politik und Förderung.
So entstehen Schritt für Schritt Wege, die sicherer, zugänglicher und lebenswerter werden.