Was ist Mobilität wert?

Verkehr im Kostenvergleich

Was kostet eigentlich der Verkehr auf unseren Straßen? Wieviel Steuergelder fließen in die einzelnen Verkehrsarten? Welche Verkehrsarten wollen wir in Zukunft als Gesellschaft besonders fördern?

Der Autoverkehr verursacht für Kommunen und Städte zahlreiche versteckte Kosten. Ob für die Instandhaltung der Straßen oder die Erweiterung von Infrastruktur - der motorisierte Individualverkehr wird an vielen Stellen von der Gesellschaft durch Steuergelder subventioniert. Ob im Bereich Klimaschutz, Luftqualität oder gesundheitliche Schädigungen - die Folgen werden von der Gemeinschaft mitgetragen. Die genauen Kosten, die der MIV verursacht, ließen sich allerdings bisher schwer benennen. Das wird sich in Zukunft ändern. Mit einem Berechnungstool, das die Kosten aufschlüsselt, die unterschiedliche Verkehrsarten verursachen. Einbezogen werden Faktoren wie finanzielle, gesundheitliche, soziale und ökologische Kosten.

Wie berechnet man die Kosten von Verkehrsarten? Seit 2016 entwickelt Prof. Dr. Carsten Sommer mit seinem Team von der Universität Kassel eine Berechnungsmethode,  die zurzeit in vier Städten getestet wird. Mit dem Tool kann man auf kommunaler Ebene Aufwände und Erträge im Verkehrsbereich ermitteln und ursachengerecht auf die wesentlichen Verkehrsarten wie Fuß-, Rad-, Auto-, LKW-Verkehr sowie ÖPNV umlegen. Dabei führen die Forscher*innen eine betriebswirtschaftliche Vollkostenrechnung auf Basis des  Haushalts der jeweiligen Stadt durch, die nicht nur Ein- und Ausgaben berücksichtigt. Sie bezieht zusätzlich externe Effekte mit ein. 

Daraus wächst die Erkenntnis: Der Radverkehr ist für Kommunen und Städte wesentlich günstiger als der MIV. Auch der ÖPNV ist lohnenswerter, weil mehr Menschen bewegt werden können und eine geringere Umweltbelastung entsteht. 

Was wäre also, wenn jede Stadt ihre eigene Vollkostenrechnung in regelmäßigen Abständen durchführt? Die Städte würden feststellen, dass sie ökonomischer und ökologischer sind, je mehr Menschen den ÖPNV nutzen oder sich mit dem Rad oder zu Fuß fortbewegen. Der Ausbau des ÖPNV-Netzes sowie eine Takterhöhung schafft viele neue Arbeitsplätze, Radwege nehmen weniger Platz weg als große, dichtbefahrene Straßen und die Menschen sind ausgeglichener, weil sie sich durch das Radfahren mehr bewegen.

Ein Blick in die Zukunft
Das könnte dann in Zukunft so aussehen: Durch den Einsatz des Berechnungstools in jeder Stadt und dem daraus resultierenden Wegfall von großen, lauten Straßen sind viele neue Flächen entstanden, die die Menschen für andere Formen der Mobilität nutzen. Sie nehmen sich mehr Zeit für Mobilität. Die Menschen in einer durchschnittlichen Stadt zwischen Emscher und Lippe bewegen sich in dieser Zukunft gelassen, ruhig und entspannt fort.

Ein Mobilitätsalgorithmus, den sie für ihre Wege-Kalkulation nutzen, bezieht verschiedene Parameter ein und errechnet individuell das günstigste Fortbewegungsmittel. Prognose: Kaum noch Autoverkehr, mehr Rad- und Fußverkehr und viele Strecken mit dem gut ausgebauten ÖPNV. Mobilstationen helfen zusätzlich dabei, die Wege effizient zu gestalten und zwischen verschiedenen Fortbewegungsmitteln zu wechseln.

Parkplätze, die zuvor als Schlafplatz für ruhende Autos gedient haben, sind nun bunt. Es gibt Spielplätze, Parkanlagen, Aufenthaltsorte und viel Platz, um sich zu bewegen. Denn die Menschen zwischen Emscher und Lippe fahren nicht mehr vorrangig mit dem Auto. Sie sind multimodal und vernetzt unterwegs. Dafür wurde die nötige Infrastruktur geschaffen. Sie nutzen den gewonnenen Raum als sozialen Treffpunkt und Ort der Kommunikation. Innovation muss nicht immer technisch sein. Vielmehr ist die Verkehrsinfrastruktur ein urbanes Gestaltungselement, das auch eine soziale Funktion hat. Neue Mobilitätsplattformen machen es möglich. Und der Wandel geht immer weiter: Wir erreichen in dieser Zukunft die Klimaziele. Jetzt, wo wir auch ohne das Auto mobil sind.

 

 

 

 

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